Die Preisspanne von E-Pianos ist groß: Während die günstigsten Modelle ca. 200€ kosten, liegen die teuersten Modelle bei 2500-4000€ – Einzelmodelle kosten sogar über 6000€!
Das Angebot von E-Pianos ist dabei geradezu unüberschaubar, sodass man sich schnell die Frage stellt: Wie viel Geld sollte ich überhaupt für ein E-Piano ausgeben?
Genau aus diesem Grund habe ich eine kleine Preisanalyse für E-Pianos (genauer Digitalpianos) gemacht, die ich Dir hier gerne vorstellen möchte. Außerdem werde ich darüber sprechen, was Du von einem E-Piano erwarten solltest und mit welchen Kosten Du für ein gutes E-Piano rechnen musst.
Was ist ein E-Piano?
Da es mittlerweile unzählige Instrumententypen in der Klavier-Familie gibt, ist die Frage durchaus berechtigt, was ein E-Piano überhaupt ist und wie es sich von anderen Instrumententypen wie dem Keyboard unterscheidet. Und was haben Stage- oder Homepianos eigentlich damit zu tun? Häufig wird mit diesen Begriffen geworben, ohne dass sie genauer erklärt werden. Gerade beim Onlinekauf kann es dann zu unschönen Überraschungen kommen.
E-Piano vs. Digitalpiano
Häufig entsteht Verwirrung bei den Begriffen E-Piano und Digitalpiano: Meinen die Begriffe nicht dasselbe? Tatsächlich bedeuten sie verschiedenes!
Während E-Pianos alle elektronisch betriebenen Tasteninstrumente umfasst (gerade auch elektro-mechanische Instrumente wie das Rhodes), sind Digitalpianos Instrumente, die ein möglichst realistisches Abbild eines mechanischen Klaviers mit elektronischen Mitteln anstreben.
Die frühen E-Pianos der 50er und 60er Jahre, wie das Wurlitzer, das Fender Rhodes oder das Hohner Clavinet hatten eine mechanische Tonerzeugung, welche durch Elektronik abgenommen und verstärkt wurde. Das sorgte für einen unvergleichlichen Sound, der mit dem Klang eines Klaviers nichts mehr zu tun hatte. Die heutigen Digitalpianos haben keine mechanische Tonerzeugung mehr, ihr Klang basiert auf Samples (quasi zusammengesetzten Aufnahmeschnipseln eines echten Instruments) und imitiert den Klang und das Spielgefühl eines Klaviers.
Wenn wir heutzutage vom Kauf eines E-Pianos sprechen, meinen wir also in den meisten Fällen ein Digitalpiano. Und so werde ich die Begriffe auch in diesem Artikel behandeln mit „E-Piano“ meine ich „Digitalpianos“
Anforderungen an ein E-Piano
Da das E-Piano dem Klang und Spielgefühl eines echten Klaviers bzw. Flügels möglichst nahekommen soll, sind einige Dinge bei einem E-Piano besonders wichtig.
Die wichtigsten Anforderungen an ein E-Piano (Digitalpiano):
- Volle Klaviatur: 88 Tasten (36 schwarze, 52 weiße)
- Gewichtete Tasten mit skalierter Hammermechanik
- Fußsegment mit 3 Pedalen
Eine volle Klaviatur ermöglicht es Dir, das gesamte Repertoire für Klavier auf dem Instrument spielen zu können. Während die Klaviatur bis zur Zeit Beethovens kleiner war als heutzutage, wurde die Klaviatur im 19. Jahrhundert auf die heutige Größe erweitert. Komponistinnen und Komponisten ab der Romantik nutzten diese Erweiterung des Tonumfangs gerne aus – es wäre also schade, Geld für ein Instrument in die Hand zu nehmen und nicht alle Stücke darauf spielen zu können.

Gewichtete Tasten mit skalierter Hammermechanik imitieren den Anschlag eines mechanischen Klaviers. Dort haben die Tasten aufgrund ihrer Bauweise aus Holz und der komplexen Mechanik eine charakteristische ‚Trägheit‘. Da die Tastenbestandteile eines Digitalpianos häufig aus Plastik bestehen, muss diese Trägheit durch einige Tricks erreicht werden, ansonsten fühlt sich der Tastenanschlag viel zu leicht und unrealistisch an. Hierzu gehört auch der sogenannte ‚Anschlagspunkt‘ – ein kleiner Punkt, an dem der Widerstand beim Niederdrücken der Taste besonders groß ist. Diesen gibt es auf jedem mechanischen Klavier oder Flügel. Auch dieser wird auf höherwertigen E-Pianos simuliert und sorgt für ein noch realistischeres Spielgefühl.

Flügel und Klaviere verfügen über 3 (manchmal nur 2) Pedale. Diese sind bei einem Klavier in Bodennähe fest im Korpus verbaut. Die Betätigung der Pedale ist im Klavierunterricht häufig ein gesondertes Thema, diese sind nämlich in der Lage, eine Reihe besonderer Effekte und Farben hervorzubringen. Aus diesem Grund möchten wir mindestens 2 dieser 3 Pedale ebenfalls an einem E-Piano haben – das mittlere Pedal unterscheidet sich bei Klavieren und Flügeln und wird äußerst selten verwendet, es ist daher für Anfänger nicht unbedingt erforderlich. Gerade günstigere E-Pianos haben kein Fußsegment, sie brauchen daher einen Ständer oder müssen auf einem Tisch platziert werden. Aus diesem Grund kann kein Pedal wie beim mechanischen Klavier verbaut werden. Stattdessen wird in der Regel nur ein Pedal mitgeliefert – ein kleiner Fußschalter, der per Kabel mit dem Korpus verbunden ist und auf dem Boden platziert wird. Dieser unterscheidet sich stark von einem Pedal eines mechanischen Klaviers und wird zudem häufig über den Boden geschoben, wenn man es betätigt.
Die drei genannten Faktoren sorgen für ein Mindestmaß an Spielgefühl, wenn es um ein E-Piano als Klavierersatz geht.
Darüber hinaus sollte man darauf achten, ob das Instrument hochwertige Samples verwendet – denn das schönste Spielgefühl nützt nichts, wenn das Instrument nach einem Plastikkeyboard klingt. Hierfür ist auch die Qualität der Lautsprecher wichtig: Wenn Du nicht nur über Kopfhörer spielen möchtest, sollten die Lautsprecher einen vollen und ausgewogenen Klang haben.
Die Gruppe der E-Pianos teilt sich nochmal in zwei Unterkategorien auf: Stagepianos haben eine leichtere, kompakte Bauweise und haben kein Fußsegment mit Pedalen – sie sind vor allem für Live-Auftritte konzipiert. Homepianos sind massivere Digitalpianos, welche ein Fußsegment mit Pedalen und meistens größere Lautsprecher verbaut haben, da sie für die Nutzung in den eigenen vier Wänden konzipiert sind.
Ein Keyboard hingegen ist meistens noch leichter und kompakter als ein Stagepiano. Es legt vor allem den Fokus auf vielfältige Sounds und hat nicht den Anspruch, einem mechanischen Klavier in Klang und Spielgefühl zu ähneln.
Wie viel kostet ein E-Piano?
Nun zu den schonungslosen Zahlen: Wie viel kostet ein E-Piano?
Hierzu habe ich eine kleine Datenauswertung vorgenommen: Ich habe alle Suchergebnisse für „Digitalpianos“ auf thomann.de in ein Diagramm übertragen, sodass man sieht, in welcher Preisspanne die meisten Angebote vorhanden sind. (Dabei habe ich Sets oder Bundles nicht berücksichtigt, Instrumente gleichen Typs mit unterschiedlichen Farben sind jedoch doppelt vertreten, wenn diese unterschiedlich viel kosten.) Ich erhebe hiermit keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, ich möchte lediglich einen kleinen Überblick über die Angebote der unterschiedlichen Preissegmente geben.
Das Ergebnis meiner Auswertung sieht wie folgt aus:

Das günstigste Instrument kostete 175€, das teuerste kostete 8490€. Der Durchschnittspreis beläuft sich auf ca. 1396€, der Preismedian liegt bei 929€. Letzteres bedeutet, dass gegenüber einem E-Piano für 929€ genau gleichviele E-Pianos teurer und günstiger sind.
Wie sich ablesen lässt, befindet sich ein Großteil des Angebots unter der 1000€-Grenze, 105 der 189 ausgewerteten Instrumente kosten unter 1000€. Die größte Gruppe bilden hier wiederum die Instrumente zwischen 800-999€, während es ebenfalls eine Vielzahl an Angeboten gibt, die günstiger sind – so gibt es z.B. 22 Instrumente, die weniger als 400€ kosten.
Oberhalb der 1000€-Grenze bildet die größte Gruppe das Preissegment von 1200-1399€ (16 Instrumente), die Preisspanne zwischen 1200-1800€ weist gemeinsam 34 Instrumente auf.
Oberhalb der 1800€ gibt es nur noch vereinzelte Angebote, die größten Ballungen liegen bei 2000-2199€ (7) und 2600-2799€ (8).
Aufgrund dieser Preisspanne scheint es zunächst sinnvoll zu sein, ein günstiges Instrument unterhalb der 1000€-Marke, vielleicht sogar eines der günstigsten Instrumente zu kaufen. Hier ist es wichtig auf die Qualität bzw. die Ausstattung der jeweiligen Instrumente zu schauen.
Hier ein paar Beobachtungen, die ich gemacht habe:
- Alle 3 Instrumente unterhalb von 200€ verfügen nicht über 88 Tasten (61 bzw. 73 Tasten).
- Das günstigste E-Piano mit gewichteten Tasten und Hammerdynamik ist das Thomann DP-26 für 329€.
- Das günstigste Instrument mit skalierter Hammerdynamik, das ich entdeckt habe, war das Casio CDP-S110 für momentan 369€.
Die meisten der günstigeren Instrumente sind sogenannte Stagepianos – eine Untergruppe der Digitalpianos, die Instrumente mit einer leichten Bauweise und ohne Ständer zusammenfassen.
- Ein erstes Instrument mit Fußsegment (ohne fest verbautes Pedal) und gewichteten Tasten ist das Hemingway DP-201 für 359€.
- Das günstigste Instrument, das über 88 Tasten mit Hammermechanik, Fußsegment und 3 Pedalen verfügt, ist das Thomann DP-33 für 439€.
- Ab ca. 600€ aufwärts setzt sich die Bauweise mit Fußsegment und drei verbauten Pedalen durch.
Zur Klangqualität kann ich aufgrund meiner Online-Recherche leider nicht viel sagen. Die kompakte Bauweise der günstigeren Modelle sorgt aber meist für schwächere Lautsprecher. Bis ca. 800€ sind vor allem zwei 8-Watt-Lautsprecher verbreitet. Darüber erhöht sich die Wattzahl je nach Hersteller unterschiedlich stark.
Welches E-Piano ist das richtige für mich?
Es ist nun die Frage, mit welchem Ziel Du dir ein E-Piano kaufen möchtest. Aus diesem Grund solltest Du Dir vor dem Kauf Dinge überlegen, auf die Du Wert legst. Ich habe zu diesem Thema bereits einen Artikel verfasst – dieser nennt einige Dinge, auf die Du achten könntest bzw. solltest.
Möchtest Du ein Instrument erwerben, welches einem mechanischen Klavier möglichst nahekommt?
Hier solltest Du vielleicht in ein etwas höherwertiges Modell investieren, welches wahrscheinlich oberhalb der 800€-Grenze liegt. Meiner Erfahrung steigern sich die Instrumente in ihrer Qualität noch sehr, wirklich überzeugende Imitationen eines mechanischen Klaviers findest Du vor allem in der Preisspanne zwischen 1200-1800€.
Bist Du noch unsicher, ob Du längerfristig Klavier lernen möchtest und suchst Du nach einem möglichst günstigen Modell zum Ausprobieren?
Hier tut es wahrscheinlich auch eines der günstigeren Instrumente, welches sich darüber hinaus auch leicht zusammenbauen lässt. Die massiveren Modelle sind nämlich als Möbelstück zu betrachten, welches man nicht so einfach ‚in die Ecke stellen kann‘.
Etablierte E-Piano-Hersteller
Etablierte Hersteller, die im höherwertigen Segment Instrumente anbieten, sind vor allem die Folgenden:
- Yamaha
- Kawai
- Roland
- Korg
- Casio
Im günstigeren Preissegment sind vor allem die folgenden Hersteller vertreten:
- Thomann
- Alesis
- Hemingway
Probiere Instrumente aus!
Mit diesem Artikel wollte ich Dir eine Übersicht darüber geben, wie viel Geld man für ein E-Piano ausgeben kann und welcher Betrag für ein höherwertiges Instrument zu erwarten ist. Das Wichtigste ist aber, dass das Instrument deinen Ansprüchen genügt und sich für Dich richtig anfühlt. Aus diesem Grund möchte ich Dir keine konkrete Kaufempfehlung nennen oder sagen, dass Du mindestens eine gewisse Summe ausgeben musst.
Stattdessen empfehle ich Dir, nicht einfach blind ein Instrument online zu kaufen, sondern unterschiedliche Instrumente in einem Fachgeschäft anzuspielen und Dich eventuell beraten zu lassen. Vielleicht hat jemand in deinem persönlichen Umfeld ein Instrument? Frage einfach, ob Du es mal ausprobieren darfst.
Fazit
Das durchschnittliche E-Piano kostet 929€. Während bei günstigeren Produkten, die sogar weniger als 200€ kosten können, Abstriche in Sachen Lautsprecherqualität, Bauweise und Spielgefühl zu machen sind, sind schon ab ca. 600€ aufwärts E-Pianos mit 88 gewichteten Tasten, Hammermechanik und einem Fußsegment mit drei Pedalen zu erwarten. Ab ca. 800€ erhöht sich die Ausgangsleistung der verbauten Lautsprecher und sorgt so für einen besseren Klang. Ab hier kommt auch das Spielgefühl immer näher an das mechanische Klavier heran. In der Preisspanne von 1200-1800€ sind bei den etablierten Herstellern sehr gute Ergebnisse in Sachen Spielgefühl und Klang zu erwarten. High-End-Lösungen können noch deutlich mehr kosten und sind meiner Meinung nach vor allem etwas für professionelle Pianisten und Klangliebhaber.




