Die Frage nach der Dauer ist beim Klavierüben untrennbar mit der Qualität des Übens verbunden. Während eine Übeeinheit generell nicht länger als 45 Minuten dauern sollte, bis eine Pause eingelegt wird, haben eine Reihe unterschiedlicher Faktoren einen Einfluss auf deinen Fortschritt auf dem Klavier: Neben der Häufigkeit spielt auch die Zielgerichtetheit und Konzentration während deiner Übezeit eine große Rolle.
Die Frage nach der Übedauer hängt auch von dem Niveau ab, auf dem Du dich befindest bzw. das Du anstrebst. Eine Studie ergab z.B., dass professionelle Pianisten im Schnitt 3 ¾ Stunden pro Tag üben müssen, um ihre motorischen Fähigkeiten diesem Level zu halten (vgl. Jabusch et al., Human Movement Science 2009). Doch keine Sorge: Falls Du nicht hauptberuflich als Pianist arbeiten möchtest, reicht ein Bruchteil dieser Zeit pro Tag aus, um riesige Fortschritte auf dem Klavier zu machen. Im Folgenden gehe ich bei meinen Angaben auf Hobbypianisten ein, die ihre Fähigkeiten längerfristig ausbauen wollen.
Wie lange solltest Du am Tag Klavier üben?
Experten und Forscher sind sich einig, dass nach einer Übeeinheit von maximal 45 Minuten eine Pause von mindestens 15 Minuten eingelegt werden sollte. Die darauffolgenden Übeeinheiten sollten dann kontinuierlich kürzer werden, da die Konzentrationsspanne im Laufe eines Übetages trotz Pausen stetig sinkt.
Bei Kindern ist die Konzentrationsspanne übrigens geringer, weshalb auch die Übeeinheiten bis zu einer Pause kürzer ausfallen sollten.
Für die gesamte Übezeit an einem Tag gibt es keine offizielle Obergrenze – Du solltest mentale oder körperliche Ermüdungserscheinungen vermeiden und das Üben an einem anderen Tag fortsetzen, wenn diese doch erscheinen sollten.
Eine Untergrenze für eine sinnvolle Übeeinheit kann man ebenfalls kaum benennen, Du solltest aber Zeit haben, um mindestens eine Übemethode in Ruhe auf eine Stelle anzuwenden und ggf. ein paar Wiederholungen zu sammeln.
Insgesamt kann man sagen, dass eine konzentrierte Übeeinheit zwischen 10 und 45 Minuten in jedem Fall für Fortschritte sorgen wird. Je länger Du pro Tag übst, desto größer werden natürlich auch deine Fortschritte sein.
Wie häufig solltest Du pro Woche üben?
Regelmäßiges Üben ist effektiver als langes Üben. Versuche daher, lieber an mehreren Tagen unter der Woche und dafür kürzer zu üben, als das Pensum einer ganzen Woche an einem Tag zu schaffen.
Je regelmäßiger Du übst, desto größer werden deine Fortschritte auf dem Klavier sein. Bei einer täglichen Übezeit von ca. 30 Minuten sind 3-4 Übetage pro Woche ein guter Anfang, die besten Fortschritte erzielst Du durch tägliches Üben.
Das Klavierüben zu einer täglichen Gewohnheit zu machen, ist im Arbeitsalltag eine Herausforderung. Überlege einmal systematisch, zu welcher Tageszeit ein Zeitfenster für das Klavierüben möglich wäre. Auch zwei oder drei kurze Übeeinheiten von 15 bzw. 10 Minuten pro Tag sorgen für große Fortschritte.
Wie solltest Du deine Übezeit gestalten?
Dass Du deine Übezeit konzentriert und zielgerichtet gestaltest, ist die Voraussetzung für jeglichen Fortschritt auf dem Klavier. Betrachte es einmal so: Du kannst Dir selbst gegenüber Dankbarkeit zeigen, indem Du die von Dir freigehaltene Übezeit konzentriert nutzt.
Hier ein paar Tipps, die Dir helfen können, Übeeinheiten effektiver zu gestalten:
- Ablenkungen: Versuche ablenkende Umwelteinflüsse zu vermeiden. Dazu gehören insbesondere der Fernseher und das Smartphone – schon eine aufblitzende Benachrichtigung kann Dich aus dem Übefluss herausbringen.
- Noten + Stifte: Habe alle Materialien am besten in Griffnähe zum Klavier. Du solltest Dir die Noten nicht erst von überall zusammensuchen müssen, das sorgt nur für ein zusätzliches Hindernis und kostet Zeit. Und wenn Du erst umständlich einen Bleistift suchen musst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Du Dir die Notiz nicht machst.
- Plan: Investiere zu Beginn deiner Übeeinheit einen Augenblick, um Dir einen Überblick zu verschaffen und Tagesziele zu formulieren. Das verhindert, dass Du ziellos herumspielst oder ein Stück ‚durchspielst‘, ohne es wirklich zu üben.
- Übe strukturiert und mit Übemethoden: Eine schwierige Passage immer und immer wieder durchzuspielen und auf Besserung zu hoffen, ist nur eine Methode – und bei weitem nicht die frust- und zeitsparendste. Nutze dein Repertoire an Übemethoden um ein Passage effektiv abzusichern. (Zwei sehr nützliche Übemethoden sind meiner Meinung nach das punktierte Üben sowie das generalisierte Üben.)
Wenn Du alle Materialien in Griffnähe hast und ohne Ablenkungen, aber mit einem Plan und gezielten Übemethoden übst, wirst Du merken, dass sich in 30 Minuten Berge versetzen lassen und dies für den Kopf durchaus fordernd ist.
Eine Übetagebuch kann dein Üben effizienter gestalten
Die Übe-Forschung empfiehlt unter anderem, ein Übetagebuch zu führen. In einem Übetagebuch kann man dokumentieren, was man wann geübt hat, welche Aufgaben für ein Stück noch offen sind oder welche Teilgebiete man in der nächsten Zeit besonders einüben möchte. Auf Basis dieser Eintragungen kann man die nächste Übeeinheit viel leichter planen, mittelfristige Ziele formulieren und diese wochenübergreifend verfolgen.
Das Übetagebuch muss dabei kein aufwendiger Planer sein, für ein Übetagebuch reicht ein kleines Notizbuch völlig aus.
Falls Du gerne die Arbeit mit einem Übetagebuch ausprobieren möchtest, kannst Du hier eine von mir entworfene Druckvorlage für ein solches Tagebuch downloaden.
Fazit
Für Anfänger auf dem Klavier sind 3-4 Übeeinheiten pro Woche mit einer Länge von ca. 30 Minuten ein guter Start. Wer mehr auf dem Klavier erreichen möchte, sollte mehr Zeit pro Tag investieren und vor allem häufiger üben.
Grundsätzlich ist dabei jede konzentrierte Übeeinheit zwischen 10 und 45 Minuten sinnvoll, nach 45 Minuten sollten Jugendliche und Erwachsene eine Pause von mindestens 15 Minuten einlegen, bei Kindern schon früher.
Arbeite nehmen der Quantität der Übeeinheiten auch an der Qualität, indem Du Ablenkungen ausschaltest und planvoll mit deinem Übemethodenrepertoire vorgehst.



