Es gibt mittlerweile viele Formen von Klavierunterricht: Apps wie Flowkey oder Skoove bieten eine kostengünstige und interaktive Alternative zum klassischen Klavierunterricht mit einem Lehrer oder dem Selbststudium mit Klavierschulen an. Die Wahl der richtigen Unterrichtsform hängt von deinen individuellen Präferenzen und Lebensumständen ab. In diesem Artikel zeige ich Dir die Pros und Kontras der jeweiligen Unterrichtsform auf.
Klavier lernen mit Apps (Flowkey, Skoove etc.)
In den letzten Jahren erfreuen sich Klavier Apps wie easy piano, Flowkey oder Skoove größter Beliebtheit. Diese Apps verfügen über eine Vielzahl von Stücken, die man auf unterschiedlichen Niveaus mit der interaktiven App einüben kann. Seit einiger Zeit bieten die Apps auch Kurse an, in denen einzelne Themen (Handhaltung, Tonleitern, Akkorde) vermittelt werden. Die Apps bilden eine kostengünstige Alternative zum klassischen Unterricht. Bei einer jährlichen Zahlung zahlt man für die Apps zwischen 120 und 150€ – einen Betrag, den man für wöchentlichen Klavierunterricht gerne mal im Monat zahlt.
Zeitlich und örtliche Flexibilität
Ein großer Vorteil von Klavierapps ist ihre örtliche und zeitliche Ungebundenheit. Du kannst zu jeder Tageszeit die App starten, Dich ans Klavier setzen und einen der Kurse absolvieren oder ein Stück mit der interaktiven App üben. Egal, ob Du bei Dir zu Hause oder bei jemandem zu Gast bist – mit einer Klavierapp findet Unterricht genau dann statt, wenn Du es möchtest.
In der Unabhängigkeit und Flexibilität liegt natürlich auch eine Gefahr. Ausschlaggebend für den Fortschritt mit einer Klavierapp ist die eigene Motivation und Disziplin, sich ohne äußeren Termindruck ans Klavier zu setzen und zu üben.
Kosten
Die derzeit größten Klavierapps kosten bei einem jährlich bezahlten Abonnement zwischen 120 und 150€, bei monatlicher Bezahlung erhöht sich der Betrag aufs Jahr gesehen. Klassischer Klavierunterricht wird meistens durchbezahlt – also auch in Ferienzeiten – und beläuft sich bei wöchentlichem Unterricht im Umfang einer Stunde monatlich auf einen ähnlichen Betrag: 120-150€. Der Betrag kann durch regionale Unterschiede stark abweichen. Möchte man also mit dem Klavierspiel beginnen und für den Anfang kein großes finanzielles Risiko eingehen, ist eine Klavierapp zwar ein Investment doch im Vergleich keine allzu große finanzielle Verpflichtung.
Auch wenn man bereits berufstätig ist oder durch viele Reisen keinen Unterrichtsrhythmus etablieren kann, ist eine Klavierapp eine gute Wahl. Wer erst spät am Tag oder nur sehr unregelmäßig auf der Klavierbank Platz nehmen kann, profitiert von der zeitlichen Unabhängigkeit der Lernapps.
Große Notenauswahl
In Verbindung mit den Kosten ist ein Vorteil der Klavierapps die umfangreiche Notenbibliothek, die in den Apps bereits integriert ist. Beim klassischen Klavierunterricht oder dem Selbststudium fallen häufig Kosten für Noten und Lehrwerke an – in einer App erhält man bei Abschluss eines Abonnements automatisch Zugriff auf die umfangreiche Noten- und Kursbibliothek der jeweiligen App. Häufig bieten die Apps unterschiedliche Schwierigkeitsniveaus zu den Stücken an, sodass man auch als Anfänger sein Lieblingsstück lernen kann, ohne sich einen gesonderten Klavierband kaufen zu müssen.
Die Notenauswahl ist sehr breit gefächert, man kann also in Noten unterschiedlichster Genres stöbern, Stücke ausprobieren und so seinen Horizont erweitern und neue Musik entdecken.
Schnelles Feedback und effektive Übemethodik
Klavierapps unterstützen Dich in deinem Übeprozess, indem sie Dir direktes Feedback zu deinem Spiel geben. Die jeweilige App ‚hört‘ mit, was Du spielst und stoppt, wenn Du Dich verspielst. Erst wenn die richtige Note erklingt, kannst Du im Stück fortfahren. Verbunden mit einer Loop-Funktion und der Möglichkeit das Übetempo zu verringern, stellen die Apps eine eng geführte und effektive Übemethode dar. Es ist dadurch nicht möglich, in unkonzentriertes Durchspiel-Üben zu verfallen, bei dem man immer wieder ein Stück von vorne durchspielt und so lange weitermacht, bis ein Fehler passiert.
Was gerade für Anfänger*innen auf dem Klavier sehr wertvoll ist, kann später aber zu einer Einschränkung im Überverhalten führen. Mit der Zeit sollte man sich ein Methoden-Repertoire aufbauen, um unterschiedliche Passagen mit verschiedenen Übemethoden einzuüben. So gehört beispielsweise zum Kernrepertoire des Übens, das rhythmisierte Üben, bei dem aus einem geraden Rhythmus (zwei Achtelnoten) ein punktierter Rhythmus gemacht wird (punktierte Achtelnote + Sechzehntelnote). Mit dem rhythmisierten Üben lassen sich unzählige Varianten erfinden – Klavierapps hingegen kennen nur eine Übemethode und tragen deshalb nicht zur Erweiterung des Methodenrepertoires bei.
Das Feedback von Klavierapps ist außerdem sehr allgemein und bezieht sich lediglich auf die richtige Note zur richtigen Zeit. Die App stoppt an der Stelle, an der eine falsche Note erklingt – warum die richtige Note dort nicht erklingt, was die Schwierigkeit daran sein könnte und wie man diese Schwierigkeit überwinden könnte wird nicht berücksichtigt. Eine ausgebildete Lehrkraft könnte hingegen persönliches Feedback geben, sie könnte zum Beispiel einen Grund für die Schwierigkeit erkennen und eine passende Übemethode vorschlagen, um sie zu bewerkstelligen.
Musikalisches Feedback
Der größte Kritikpunkt an Klavierapps ist meines Erachtens, dass sie wenig Rücksicht auf die musikalische Ausführung nehmen. Wie kann ich mein Legato-Spiel verbessern? Wie bekomme ich Läufe noch gleichmäßiger hin? Wie interpretiere ich dieses Liebeslied? Wo ist der Höhepunkt der Phrase?
Eine Klavierapp konzentriert sich vor allem auf technische Korrektheit. Allerdings gehört zum Klavierspiel noch viel mehr als die richtige Taste zur richtigen Zeit zu drücken. Wichtige Themen sind unter anderem: Dynamik, Phrasierung, Artikulation, Tempo, Hierarchisierung von Stimmen u.v.m. Die technisch korrekte Ausführung ist nur ein Thema unter vielen. Nicht zuletzt sollte es ein Ziel von Klavierunterricht sein, zu eigenen Interpretationen von Werken zu kommen. Aus technischen Gründen können Klavierapps nur sehr bedingt auf diese Themen eingehen. Gerade wenn man auf dem Klavier fortschreitet und seinen eigenen Klang oder seinen eigenen Zugang zu Stücken finden möchte, kann eine Klavierapp durchaus einengend wirken.
Ein Klavierlehrer oder eine Klavierlehrerin sind dagegen ausgebildete Musiker*innen. Sie achten neben der technischen Ausführung auf all die anderen Themen des Musikmachens. Natürlich hat jeder Lehrer seine ganz persönliche Priorisierung, allgemein kann man aber sagen, dass es im Klavierunterricht selten genug ist, wenn man ein Stück sauber runterspielt.
Fazit Klavierapp
Klavierapps eignen sich vor allem für Menschen, die zeitlich unabhängig und kostengünstig Klavier lernen möchten. Die Apps sind besonders für Anfänger*innen auf dem Instrument geeignet, da sie Lektionen zu technischen Grundlagen und eine Vielzahl an Noten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade anbieten. Auf diese Weise sind anspruchsvolle Stücke schon früh erlernbar. Das Lernen mit einer Klavierapp erfordert aber eine gewisse Disziplin: Zwar sorgt die Loop-Funktion der Apps für ein effektives Üben, aber ein wöchentlicher Termin oder gar ein Klassenvorspiel fehlen, um regelmäßiges Üben zu motivieren. Wer einen Schwerpunkt auf klassischer Literatur legt und seine musikalische Ausdrucksfähigkeit verbessern möchte, hat zudem in Klavierapps nur in geringem Ausmaß eine Gelegenheit dazu.
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Klavier lernen im klassischen Klavierunterricht
Im klassischen Klavierunterricht sitzt Du einer ausgebildeten Lehrkraft und Instrumentalist*in gegenüber, der/die Dich in einer Einzelstunde ganz individuell betreut. Die Qualität des Klavierunterrichts hängt maßgeblich von den künstlerischen und pädagogischen Fähigkeiten der Lehrperson ab, wodurch Klavierunterricht nicht gleich Klavierunterricht ist. Dennoch gibt Klavierunterricht eine externe Struktur, qualitativ hochwertiger Klavierunterricht geht auf deine Wünsche, Vorlieben, Stärken und Schwächen ein. Andererseits ist Klavierunterricht ein recht teures Unterfangen. Was ein Jahres-Abo bei einer Klavierapp kostet, wird bei wöchentlichem Klavierunterricht häufig schon innerhalb eines Monats fällig.
Persönliches Feedback
Der klassische Klavierunterricht hat vor allem den Vorteil, dass eine Fachperson Dir in Echtzeit individuelles Feedback gibt. Dies hat in allen Phasen des Klavierspiels große Vorteile: Gerade am Anfang ist es wichtig, dass der richtige Sitz, die korrekte Handhaltung, wichtige technische Grundlagen und Übemethoden individuell vermittelt werden. Eine Video-Tutorial für die richtige Handhaltung kann eine gute Hilfe sein: Doch was ist, wenn ich beim Klavierspielen immer wieder unbewusst mein Handgelenk verkrampfe und es selbst nicht merke? Ein Klavierlehrer hat in der Regel einen geschulten Blick für genau solche Dinge und kann dort gezielt und schnell eingreifen.
Auch für Fortgeschrittene ist der klassische Klavierunterricht mit seinem persönlichen Feedback sehr wertvoll. Wurden die technischen Grundlagen erlernt, so werden schnell musikalische Dinge wichtig: Wie gestalte ich ein Crescendo? Wie spiele ich staccato? Wie phrasiere ich eine Melodie? Die Interpretation von Werken bekommt das größte Gewicht und genau dort kann ein Klavierlehrer mit seiner Musikalität und Erfahrung punkten. Er/Sie kann nicht nur mögliche Interpretationen aufzeigen, sondern Dir auch Wege eröffnen, zu einer eigenen Interpretation zu kommen.
Ganzheitlicher Unterricht
Der klassische Klavierunterricht ist bei guten Klavierlehrer*innen ein ganzheitlicher Unterricht. Neben dem Klavierspielen, den Technik-Übungen, den Übemethoden, Vom-Blatt-Spiel oder Improvisation kann auch die allgemeine Koordination oder das Hören von Musik eine Rolle spielen. Wie beurteile ich zum Beispiel unterschiedliche Aufnahmen ein und desselben Stückes?
Auch der improvisatorische Anteil am Klavierspiel, welcher das Kerngebiet des persönlichen Ausdrucks auf dem Instrument darstellt, kann im Klavierunterricht ins Zentrum gestellt werden. Während Klavierapps häufig die Grundlagen für freies Spiel bereitstellen (Akkorde, Akkordumkehrungen, Figurationen etc.) fehlt es häufig an improvisatorischen ‚Aufgaben‘, die an das Improvisieren heranführen und das Improvisieren als ganz persönlichen Ausdruck thematisieren.
Fester Termin – Klare Struktur
Privater Klavierunterricht ist teurer als das Lernen mit Apps oder im Selbststudium: Für 60 Minuten Unterricht pro Woche können monatlich ca. 120-150€ anfallen. Hinzukommt, dass der Klavierunterricht häufig einen fixen, wöchentlichen Unterrichtstermin verlangt. Dies kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark geeignet sein. Wenn ich tagsüber lange arbeite, kann es anstrengend werden, sich abends noch auf den Weg zu einer Klavierstunde zu machen. Auf der anderen Seite kann ein festgelegter Unterrichtstermin eine klare Struktur bereitstellen und damit die Motivation steigern. Wenn immer donnerstags Klavierunterricht ist, dann sollte ich mich spätestens nach dem Wochenende ans Klavier setzen und ein wenig üben. Lerne ich Klavier mit einer App, so wird es niemals diese Form des ‚Zeitdrucks‘ geben, den wir manchmal brauchen, um produktiv zu werden.
Der feste Unterrichtstermin, der Dir eine Stunde individuelle Betreuung zusichert, hat auch eine Kehrseite: Den Rest der Woche bist Du auf Dich allein gestellt. Wenn Du unter der Woche Klavier übst, musst Du selbstständig arbeiten und dabei Fortschritte erzielen. Du bist dabei entweder auf Deine Aufzeichnungen aus der Stunde oder dein gutes Gedächtnis angewiesen. Auch was die Übemethoden anbelangt, musst Du unter der Woche die richtigen Entscheidungen treffen und Dich vor allem in Selbstbeobachtung üben. Das kann gerade am Anfang schwierig sein, weil es so viele unterschiedliche Themen zu berücksichtigen gibt. Mit der Zeit und mit wachsender Erfahrung lernt man meistens, sich beim Üben selbst zu beobachten und die Übemethoden auszuwählen, die man gerade braucht.
Die soziale Dimension
Klassischer Klavierunterricht hat den beiden anderen Unterrichtsformen gegenüber den Vorteil, eine starke soziale Komponente zu haben: Klassischer Klavierunterricht findet immer mit einer anderen Person statt – dies birgt einige Chancen. So beginnt eine Klavierstunde üblicherweise damit, dass man die Fortschritte der vergangenen Woche präsentiert. Dieses ‚Mini-Auftrittstraining‘ ist nicht nur ein Motivator, um unter der Woche etwas Präsentables vorzubereiten, sondern es ist auch ein Training darin, das Geübte einer anderen Person vorzuspielen.
Darüber hinaus ist es im Klavierunterricht möglich, gemeinsam mit der Lehrperson zu musizieren. Dies kann in Form von vierhändigen Klavierstücken oder in Form einer Improvisation passieren. Das gemeinsame Muszieren vermittelt wichtige Kompetenzen wie das Aufeinanderhören, Reagieren und gemeinsame Gestalten beim Musikmachen.
Nicht zuletzt veranstalten Klavierlehrer*innen häufig Vorspiele mit ihren Schüler*innen. 1-2 jährlich werden erarbeitete Stücke in einem kleinen Konzert präsentiert, zu dem auch Verwandte oder Freunde eingeladen werden. Dieses Auftrittstraining kann sehr wertvoll sein, um einen Umgang mit eventuellem Lampenfieber zu lernen. Ein Klassenvorspiel ist ebenfalls einer der großen Motivatoren für das Üben. Mit einem Konzerttermin im Hinterkopf hat man einen Anlass, ein Stück bis ins letzte Detail zu perfektionieren.
Das Musizieren vor anderen Menschen und mit anderen Menschen ist eine der zentralen Bestandteile von Musik. Von den drei hier vorgestellten Unterrichtsformen deckt nur der klassische Klavierunterricht mit Klavierlehrer*in diese Dimension ab.
Fazit klassischer Klavierunterricht
Der klassische Klavierunterricht mit einer Lehrerin oder einem Lehrer ist ein finanzielles Schwergewicht und nicht für alle Menschen erschwinglich. Die Qualität hängt hier sehr stark von der individuellen Lehrkraft ab. Dafür erhält man bei qualitativ hochwertigem Unterricht individuelle Betreuung und einen maßgeschneiderten Lehrplan, um seinen Interessen zu verfolgen, Stärken auszubauen und Schwächen zu verbessern. Der persönliche Unterricht ist ganzheitlich und behandelt viele Facetten des Musizierens, darunter Vom-Blatt-Spiel, Improvisation, Interpretation und allgemeine koordinatorische Übungen. Gerade für die technischen Grundlagen ist die klassische Unterrichtsform am besten geeignet. Darüber hinaus hat der klassische Klavierunterricht eine starke soziale Komponente – man musiziert viel eher vor und mit anderen Menschen.
Klavierunterricht erfordert meistens einen fixen Unterrichtstermin, dem man möglichst häufig nachkommen kann – dies kann gerade für Berufstätige eine Hürde darstellen – der Druck, zur nächsten Woche etwas Vorzeigbares eingeübt zu haben, kann im stressigen Berufsalltag zusätzlich zur Belastung werden. Der feste Termin birgt aber auch Chancen: Er gibt Struktur und motiviert zum Üben für die nächste Stunde.
Klavierunterricht im Selbststudium
Der Klavierunterricht im Selbststudium bietet die größtmögliche Unabhängigkeit. Sowohl zeitlich als auch örtlich ungebunden kann man methodische Ansätze, Genres und die zeitliche Struktur selbst wählen. Aus großer Unabhängigkeit ergibt sich jedoch auch eine große Verantwortung: Klavierschulen und Arbeitsbücher können zwar eine sinnvolle Struktur vorgeben, die Überprüfung der vorgestellten Inhalte und Feedback können aber nur von einem selbst vorgenommen werden.
Flexibilität und individuelles Zeitmanagement
Ähnlich wie das Lernen mit Klavierapps ist auch das Selbststudium zeitlich und örtlich unabhängig. Im Vergleich ist das Selbststudium zeitlich jedoch noch flexibler, da die Kurse in Klavierapps häufig einen vorgegebenen zeitlichen Ablauf haben. Zwar lassen sich Lektionen überspringen, doch Umfang, Dauer und die Anzahl der Wiederholungen sind meist fixiert. Im Selbststudium kann und muss man zu jedem Zeitpunkt für sich selbst entscheiden, in welchem Tempo man z. B. die Lektionen einer Klavierschule durchgeht.
Freiheit in der Musik- und Methodenwahl
Beim Klavierlernen im Selbststudium hat man die größtmögliche Freiheit, was Musik-Genres und Methoden angeht. Egal, ob Pop, Rock, Klassik, Jazz oder Filmmusik – man kann ganz seinen Interessen und Vorlieben folgen. Im klassischen Klavierunterricht mit einer Lehrerin oder einem Lehrer ist man hingegen immer an die Kenntnisse der Lehrkraft gebunden. Vielleicht ist eine Lehrerin sehr erfahren im Jazz- und Pop-Bereich, hat aber kaum Kenntnisse in der Klassik. Wieder ein anderer Lehrer ist klassischer Pianist und kann kaum die Grundlagen des freien Spiels im Pop-Stil unterrichten. Im Selbststudium kann man sich seine Quellen selbst zusammensuchen und sich daher über Genregrenzen hinaus weiterbilden.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Klavierschulen für das Selbststudium. Und auch im Internet findet man eine Vielzahl von Tutorials, Blogs und Übetipps, die einem im Selbststudium weiterhelfen können. Was all diese Informationsquellen jedoch nicht leisten können, ist ein direktes und persönliches Feedback zu geben. Gerade für den Beginn auf dem Klavier ist eine Beurteilung von außen wichtig. Die Koordination, das Erlernen der Notenschrift und das gleichzeitige Ausführen und Zuhören sind große kognitive Herausforderungen, welche die Beobachtung körperlicher Anspannung beeinträchtigen können. Gerade am Anfang ist es besonders wichtig, eine gesunde Körper- und Handhaltung sowie eine effiziente und durchlässige Motorik zu entwickeln. Hierfür ist der persönliche Kontakt zu einer Lehrkraft die zuverlässigste Quelle, erst danach kommt die Vermittlung über das Video und zuletzt die schriftliche Beschreibung. Gerade für Anfänger*innen auf dem Klavier ist also Vorsicht geboten und gegebenenfalls Rat von Pianist*innen aus dem persönlichen Umfeld einzuholen.
Potenzielle Kostenersparnis
Wer Klavier im Selbststudium erlernt, spart eine Reihe von Kosten: Weder eine Klavierapp, noch eine Lehrkraft müssen bezahlt werden. Es ist dennoch davon auszugehen, dass Kosten für das Selbststudium entstehen. Wer die Unabhängigkeit der Methodenwahl und die Vielfältigkeit der Musik ausschöpfen möchte, muss sich eine Reihe von Lehrmaterialien und Notenbände selbst kaufen. Die erste Klavierschule fällt dabei noch nicht so sehr ins Gewicht: Die meisten Lehrwerke für das Selbststudium kosten zwischen 15 und 30 € – mit ihnen kann man je nach Umfang im Schnitt das erste Jahr bestreiten. Hat man sich mit den technischen Grundlagen vertraut gemacht und möchte Musik unterschiedlicher Epochen oder Genres spielen und entdecken, so ist der Erwerb von Notenbänden fast unumgänglich. Je nach Komponist und Umfang der Notenausgabe kosten Bände auch hier zwischen 15 und 30€.
Zwischenfazit Selbststudium
Klavierunterricht im Selbststudium ist von den drei vorgestellten Unterrichtsformen die wahrscheinlich kostengünstigste. Darüber hinaus hat man umfangreiche Freiheiten, was Musikgenres, Repertoire und zeitliche Strukturierung angeht. Gerade für Menschen, die bereits auf anderen Instrumenten Erfahrungen gesammelt haben, kann Klavier im Selbststudium sehr sinnvoll sein, da bereits Übestrategien und wichtige Grundbegriffe erarbeitet wurden. Wer noch keinerlei musikalische Erfahrung hat, für den sind die anderen beiden Unterrichtsformen wahrscheinlich geeigneter, da Lehrbücher häufig einen Spielraum für Auslegungen lassen und dadurch zu einer ungesunden Handhaltung oder ineffizienten Übestrategien führen können.



