Wenn Du Dich entschieden hast, Klavier spielen zu lernen, brauchst Du ein Instrument, auf dem Du üben kannst. Beim Kauf eines Klaviers können die unterschiedlichen Instrumententypen für Verwirrung sorgen: Neben mechanischen Klavieren, gibt es E-Pianos, Stagepianos, Homepianos oder Keyboards. Welches Instrument ist für Dich am besten geeignet? In diesem Artikel möchte ich Dir den Unterschied zwischen den verschiedenen Instrumententypen erklären und Dir ein paar Vor- und Nachteile der jeweiligen Instrumente aufzeigen.
Klavier

Das Klavier ist ein rein mechanisches Instrument, welches die Funktionsweise eines Flügels mit einer platzsparenden Bauweise verbindet. Es erlangte im Laufe des 19. Jahrhunderts große Popularität, als immer mehr Privatpersonen ein Tasteninstrument in den eigenen vier Wänden haben wollten. Das Klavier verfügt über 88 Tasten. Jede Taste betätigt eine komplexe Mechanik, welche schlussendlich einen Hammer betätigt. Dieser Hammer schlägt auf eine bzw. mehrere gleichgestimmte Saiten und lässt somit einen Ton erklingen. Spezielle Elemente des Klaviers übertragen den Klang aus dem inneren des Gehäuses nach außen und sorgen so für einen runden und ausgewogenen Klang.
Das Klavier (bzw. der Flügel) ist ab dem 19. Jahrhundert das vorherrschende Tasteninstrument – Komponistinnen und Komponisten seit ca. 1800 bis heute schrieben und schreiben für dieses Instrument, man könnte es daher als ‚das Original‘ bezeichnen. Alle anderen hier vorgestellten Instrumente versuchen dem Klang oder dem Spielgefühl eines mechanischen Klaviers möglichst nahezukommen.
Vor diesem Hintergrund sind Parameter wie Klang und Spielgefühl beim Klavier als am besten zu bewerten. Doch ein Klavier hat auch einige Nachteile, die es zu beachten gilt.
Kosten
Ein neuwertiges Klavier kostet ab ca. 4000€ aufwärts – auch Klaviere über 20.000€ sind keine Seltenheit auf dem Markt. Gebrauchte Klaviere können deutlich unter dem Preis eines neuwertigen Klaviers liegen, allerdings fallen hier häufig Kosten für die Instandsetzung an.
Für die Instandhaltung eines Klaviers fallen wiederkehrende Kosten an. Bei regelmäßigem Gebrauch empfiehlt sich eine Stimmung des Instruments 1–2-mal jährlich. Die Kosten hierfür liegen pro Stimmung ca. zwischen 80 und 200€.
Neben dem Stimmen des Instruments sollte das Instrument in regelmäßigen Abständen intoniert werden. Mit der Zeit nutzen sich die Oberflächen der Hämmer ab – das Spielgefühl und der Klang können sich dadurch verändern. Bei einer Intonation werden die Hammerfilze so bearbeitet, dass der Klang und das Spielgefühl wieder ausgewogen sind. Die Intonation eines Instruments ist gewöhnlich etwas teurer als eine Stimmung, auch hier fallen niedrige dreistellige Beträge an.
Größe/Gewicht
Klaviere sind für gewöhnlich 100-130 cm hoch, sind ca. 150 cm breit und haben eine Tiefe von ca. 50-70 cm.
Diese Ausmaße machen es zu einem recht großen ‚Möbelstück‘ für das man ausreichend Platz im Raum einberechnen sollte. Hinzukommt die ‚klangliche Größe‘ eines Klaviers. In einem zu kleinen Raum kann ein Klavier laut und knallig wirken, was wiederum die Spielfreude erheblich einschränken kann.
Ein Klavier kann je nach Bauart zwischen 170 und 300 kg wiegen. Ein Transport ist daher nur mit professioneller Hilfe möglich. Beim Kauf sowie bei Umzügen fallen so zusätzliche Kosten für den Klaviertransport an.
Klang und Lautstärke
Da es sich bei einem Klavier um ein mechanisches Instrument handelt, bei dem Saitenschwingungen über Resonanzelemente an die Umgebung abgegeben werden, ist der Klang zwar der natürlichste, er lässt sich aber nicht nennenswert dämpfen oder beeinflussen.
Wie bereits erwähnt, sollte der Raum, in dem das Klavier steht, nicht zu klein sein, da der Klang sonst sehr laut und knallig wird. Auch für potenzielle Nachbarn kann ein Klavier zur Belastung werden. Durch Wände und Böden überträgt sich der Schall auch noch bis in die übernächste Wohnung. Wer regelmäßig übt, ist zwar juristisch durchaus im Recht, macht sich aber nicht unbedingt Freunde in der Nachbarschaft. (Die gesetzlichen Ruhezeiten müssen selbstverständlich eingehalten werden.)
E-Piano

E-Pianos (eigentlich Digital Pianos) sind Instrumente, die bei der Klangerzeugung ohne mechanische Komponenten auskommen. Durch die Entwicklung einer ausgefeilten Sampling-Technik seit den 90er-Jahren können E-Pianos klanglich sehr nahe an ihre mechanischen Vorbilder herankommen. Auch die verbaute Tastenmechanik soll ein möglichst realistisches Spielgefühl vermitteln.
Die Technologie ist mittlerweile so weit, dass E-Pianos überzeugende Ergebnisse bei der Imitation von Klang und Spielgefühl eines Klaviers erzielen. Wer sich für ein E-Piano entscheidet, muss auf diesem Gebiet natürlich Kompromisse eingehen. Auf der anderen Seite haben E-Pianos beträchtliche Vorteile gegenüber mechanischen Klavieren, die ich im Folgenden thematisieren möchte.
Kosten
E-Pianos kosten im Schnitt deutlich weniger als mechanische Klaviere. Die günstigsten Modelle starten bei etwa 800€, im Preissegment um 1300€ gibt es bereits Modelle, die dem Spielgefühl eines Klaviers sehr nahekommen.
Darüber hinaus fallen für E-Pianos keine Instandhaltungskosten an. Durch die digitale Klangerzeugung kann sich das Instrument nicht verstimmen, die Spielmechanik hält aufgrund geringer physischer Belastung sehr lange.
Größe/Gewicht
E-Pianos verfügen ebenfalls über 88 Tasten, unterscheiden sich in ihrer Bauweise aber von mechanischen Klavieren: Mit ca. 20-80 kg Gewicht sind sie deutlich leichter, die Maße sind in allen Dimensionen etwas kleiner. Zudem sind E-Pianos häufig zusammengesetzt aus einem Korpus mit Tasten und Elektronik sowie einem massiven Fußsegment, welches auch die Pedale beinhaltet. Die Segmente lassen sich voneinander trennen, ein E-Piano ist somit ohne professionelle Transportunternehmen transportfähig.
Klang/Lautstärke
Der Klang eines E-Pianos wird über verbaute Lautsprecher ausgegeben. Dies ist klanglich vielleicht eines der größten Mankos eines E-Pianos, es verbirgt sich dahinter jedoch auch ein großer Vorteil: Die Lautstärke eines E-Pianos ist regulierbar, eine Ausgabe über Kopfhörer gehört zur Standardausstattung.
Dies bedeutet zum einen, dass ein E-Piano in jedem Raum aufgestellt werden kann, ohne dass es zu einem unerwünscht verzerrten Klangerlebnis kommt. Zum anderen kann man die Lautstärke so weit reduzieren, dass sie die Nachbarn nicht stört – und auch nachts kann mithilfe von Kopfhörern unbegrenzt geübt werden.
Unterschied zwischen Stage- und Homepianos
Innerhalb der E-Pianos kann man zwischen Stage- und Homepianos unterscheiden.
Stagepianos sind vor allem für Live-Musik konzipiert, besitzen häufig kein Fußsegment und haben wenn überhaupt nur sehr kleine Lautsprecher verbaut, die nicht zur Beschallung von größeren Räumen geeignet sind. Es sind für solche Anlässe externe Lautsprecher erforderlich. Stagepianos sind durch die Bauweise und den fehlenden Fuß leicht, aber robust und damit für den Konzertbetrieb geeignet. Stagepianos verfügen nicht immer über die vollen 88 Tasten und sind in der Regel etwas günstiger als Homepianos. Da ihnen das Fußsegment fehlt, wird häufig ein kleiner Fußschalter als Pedal an das Stagepiano angeschlossen -auch dies führt zu einem Unterschied im Spielgefühl.
Homepianos sind für den Heimgebrauch konzipiert und haben die oben beschriebene Bauweise, die etwas massiver ausfällt und neben Klang und Spielgefühl auch optisch einem Klavier ähneln soll. (Homepianos verfügen immer über 88 Tasten.) Die Pedale sind im Fußsegment verbaut, sodass sich die Bedienung der Pedale nicht von der Bedienung an einem mechanischen Klavier unterscheidet.
Keyboard

Keyboards sind leicht und kompakt gebaute Instrumente, welche einen Fokus auf Transportfähigkeit und Klangvielfalt legen. Keyboards verfügen häufig nicht über eine volle Klaviatur mit 88 Tasten, stattdessen sind hier 61 Tasten der Standard. Die Klaviatur ist zudem nicht gewichtet, sodass sich das Spielgefühl eines Klaviers nicht einstellt. Zudem sind in dem kompakten Gehäuse meist nur kleine Lautsprecher verbaut, sodass man bei größeren Räumen oder Publikum schnell auf externe Lautsprecher angewiesen ist.
Dafür sind Keyboards sehr günstig zu erwerben, gute Modelle gibt es ab ca. 200€ zu kaufen, die hochwertigsten Modelle können zwischen 1000 und 2500€ kosten.
Keyboards legen einen Fokus auf Klangvielfalt, sie bieten daher eine Fülle an Sounds und Effekten. Gemeinsam mit flexiblen Anschlussmöglichkeiten haben Keyboards daher vor allem ihre Stärken im Bereich der Musikproduktion oder dem Live-Betrieb.
Ein Keyboard sollte weniger als ein Klavierersatz behandelt werden, sondern vielmehr als technische Erweiterung eines Tasteninstruments gesehen werden.
Instrumente ausprobieren
Um ganz sicher zu gehen, dass Du mit deiner Kaufentscheidung zufrieden bist, solltest Du die Instrumente, die Du favorisierst, in jedem Fall anspielen. Jedes Klavier spielt sich anders und hat einen individuellen Klang. Bei E-Pianos ist nicht immer die neueste Technologie, diejenige, die Dir am besten gefällt. Probiere auch Instrumente in deinem Bekanntenkreis aus oder frage Pianistinnen und Pianisten in deinem Umfeld um Rat. Wenn Du bereits Kontakt zu einer Lehrkraft für Klavierunterricht aufgenommen hast, kannst Du auch diese Fragen, ob Sie dich bei der Kaufentscheidung unterstützt.
Falls Du zum Kauf eines E-Pianos tendierst, habe ich einen Artikel für Dich, welcher auf die wichtigsten Dinge bei einem E-Piano-Kauf eingeht. Hier geht es zum Artikel.
Fazit
Wer gerne Klavier lernen möchte und sich dafür ein Instrument anschaffen möchte, ist vor allem mit Klavieren oder E-Pianos gut beraten. Wer bei Klang und Spielgefühl keine Kompromisse eingehen möchte, das natürliche Klangerlebnis eines mechanischen Klaviers haben will und wessen Wohnsituation die Anschaffung eines Klaviers zulässt, sollte sich ein Klavier zulegen und dies in regelmäßigen Abständen stimmen und intonieren lassen. Wer bereit ist, kleine Kompromisse einzugehen, den hohen Preis für ein Klavier nicht zahlen kann/möchte und trotz Nachbarn viel üben möchte, sollte sich ein E-Piano anschaffen. Für das Erlernen des Klavierspiels ist von Keyboards abzuraten, da sich Klang und Spielgefühl zu sehr von einem Klavier unterscheiden. Keyboards sind vor allem dann empfehlenswert, wenn ein Interesse an Live-Musik in einer Band oder in der Musikproduktion besteht.



