Du wolltest eigentlich regelmäßig Klavier üben, doch das letzte Mal, dass Du dich ans Klavier gesetzt hast, ist schon wieder eine Woche her? Du bist unzufrieden, weil Du es nicht schaffst, das Klavierüben in deinen Alltag zu integrieren?
Keine Sorge! Solche Erfahrungen haben fast alle Menschen gemacht, die mit dem Klavierspiel begonnen haben. Es ist völlig normal, wenn Dir das regelmäßige Üben schwerfällt, denn wir haben schließlich genug im Alltag zu tun – und wenn wir nach einem langen Tag endlich Feierabend haben, ist die Couch deutlich verlockender als die Klavierbank.
Damit es Dir leichter fällt, eine tägliche Überoutine aufzubauen, habe ich Dir ein kleines 15-Minuten-Workout für das Klavier zusammengestellt. Mit kurzen Technikübungen, handlichen Übeaufträgen und einem Zeitlimit von 15 Minuten kannst Du ohne große Planung und ganz einfach zwischendurch deine Fähigkeiten auf dem Klavier verbessern. Lade Dir hier die kostenlose PDF-Datei herunter.
Das Problem mit der Motivation
Die meisten Menschen, die ein Instrument erlernen, hatten schon einmal Probleme mit der Motivation. Gerade zu Beginn kann es schwer sein, das neue Hobby in den Alltag zu integrieren.
Die Schwierigkeit besteht in zwei Dingen:
- In unserem Alltag haben wir häufig so viel zu tun, dass wir das Gefühl haben, keinen Platz für eine zusätzliche Tätigkeit zu haben. „Mein Tag hat auch nur 24 Stunden“ oder „Wenn ich nach einem langen Tag nach Hause komme, möchte ich mich nur noch auf die Couch legen und eine Folge meiner Lieblingsserie schauen“ sind häufige und berechtigte Gedanken. Hier kann es helfen, das Klavierüben nicht als eine zusätzliche Aufgabe anzusehen, sondern vielmehr als Auszeit zu begreifen: Beim Klavierspiel musst Du keinen externen Erwartungen begegnen, sondern Du kannst in Kontakt mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen treten – schließlich kann das Klavier auch ein Instrument sein, um deine Gefühle oder Gemütszustände in Musik auszudrücken.
- Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Selbst wenn Du also Zeit für das Klavierüben hättest, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass Du in gewohnte Tätigkeiten verfällst: Instagram, YouTube oder Netflix sind die beliebtesten Plattformen für die Feierabendgestaltung.
Es gibt verschiedene Studien zum Thema Gewohnheit. Diese kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wie lange es dauert, bis man eine neue Gewohnheit etabliert hat: 66 Tage ist eine Zahl, auf die man häufig stößt. Doch zwischen 30 und 90 Tagen kursieren verschiedenste Zahlen. Zusammengefasst: Bis eine Tätigkeit als neue Gewohnheit etabliert ist, musst Du einige Wochen beharrlich dabeibleiben. Erst dann wird sich das Klavierüben ‚normal‘ für Dich anfühlen.
Wenig Zeit und konkurrierende Gewohnheiten: Das sind die ‚Kontrahenten‘, gegen die das Klavierüben ankommen muss. Aus diesem Grund ist es für den Anfang sinnvoll, das Klavierüben zu einer kurzen, unkomplizierten und effektiven Tätigkeit zu machen. So ist der zeitliche Aufwand gering, die erforderliche Motivation minimal und der Effekt riesig.
Warum 15 Minuten?
15 Minuten scheinen für die meisten Menschen eine attraktive Zeiteinheit zu sein: Fast in allen Sparten findet man 15-Minuten-Formate – das 15-Minuten-Pilatesworkout, die 15-Minuten-Buchzusammenfassung und in der aktuellen Stadtplanung sogar die 15-Minuten-Stadt.
15 Minuten können wir in unserem Alltag freimachen. Für 15 Minuten können wir uns in fast jeder Lebenslage konzentrieren. In 15 Minuten kann man zudem echte Fortschritte erzielen (vor allem, wenn man sie täglich freihält).
Aufgrund des 15-Minuten-Trends ist bei mir die Idee entstanden, ein 15-minütiges Klavierworkout zu erstellen, das du einfach in deinen Alltag integrieren kannst und mit dem Du schnelle Erfolge erzielen kannst. Denn persönliche Erfolgserlebnisse sind der größte Motivator dafür, sich am kommenden Tag wieder ans Klavier zu setzen.
Das 15-Minuten-Workout auf dem Klavier
Das 15 Minuten Klavierworkout besteht aus drei Komponenten:
- Technik/Tonleitern
- Stück üben
- Durchspielen/Improvisieren
Auf diese Weise verbesserst Du deine grundlegenden technischen Fähigkeiten, Du machst außerdem stetige Fortschritte in deinem aktuellen Stück und Du nimmst Dir Zeit für Kreativität und Musikalität.
Nun führe ich Dich durch die drei Phasen des Workouts. Es empfiehlt sich, eine Uhr oder Stoppuhr aufzustellen, um den Zeitplan ungefähr einzuhalten. (Es kommt dabei natürlich nicht auf die Sekunde an.)
1. Technik/Tonleitern (5 Minuten)
Zu Beginn deines Workouts bietet es sich an, deine Finger ein wenig aufzuwärmen und an grundlegenden technischen Vokabeln zu arbeiten. Arbeite daher an folgenden Punkten:
- Wähle eine Tonleiter aus und spiele diese mehrere Male: Wenn es sich um eine Tonleiter handelt, mit der Du noch nicht so sehr vertraut bist, dann setze die Zeit ein, um zu mehr Sicherheit zu gelangen: Spiele die Tonleiter langsam und über zwei Oktaven, erst einzeln mit links und rechts, dann mit beiden Händen zusammen. Zur Vertiefung z.B. einer bereits bekannten Tonleiter, kannst Du die Tonleiter rhythmisieren (z.B. mit einer einfachen Punktierung lang-kurz, oder kurz-lang).
- Für das 15-Minuten-Workout habe ich einige technische Übungen konzipiert, welche die Geläufigkeit der Finger verbessern sollen. Die unterschiedlichen Übungen fokussieren sich auf unterschiedliche Fingerkombinationen und konzentrieren sich immer auf eine der beiden Hände. Ziel dieser Übungen war es, technische Übungen zu konzipieren, die gleichzeitig auch einen musikalischen Wert haben. Diese Übungen eignen sich übrigens hervorragend, um daraus eigene Improvisationen zu machen. Schließe die erste Phase des Workouts mit ein bis zwei dieser Übungen ab (Wiederhole jede dieser Übungen einige Male oder übe sie z.B. mit punktiertem Rhythmus).
Die Übungen im PDF richten sich vor allem an Anfänger auf dem Klavier. Im Folgenden sind die Noten mit einem Soundbeispiel abgebildet.





Ich habe eine PDF-Datei mit allen Tonleitern inklusive Fingersätze gemacht. Du kannst sie hier herunterladen.
2. Stück üben (7 Minuten)
Nachdem Du an deiner Technik gearbeitet hast, wird es Zeit, an einem Stück zu arbeiten. Da das 15-Minuten-Workout auf Effektivität abzielt, empfehle ich folgende Vorgehensweise:
- Suche Dir einige wenige Takte aus, an denen Du arbeiten möchtest. Die Anzahl der Takte hängt von der Komplexität und Länge der jeweiligen Takte ab. In den Workoutplan habe ich „2 Takte“ geschrieben, um zu verdeutlichen, dass Du dich auf einen kleinen Abschnitt fokussieren solltest. Denn realistische Ziele führen zu Erfolgen und Erfolge führen zu mehr Motivation. (Es ist auch möglich, bereits bekannte Takte in dieser Phase zu festigen).
- Nachdem Du dich für einen kurzen Abschnitt entschieden hast, solltest Du mit dem eigentlichen Üben beginnen: Verwende in den ca. 7 Minuten mindestens zwei verschiedene Übemethoden, um nicht in einen ineffektiven Durchspielmodus zu verfallen. Falls Du die Takte vor oder nach dem Abschnitt bereits kennst, verbinde zum Schluss den gewählten Abschnitt mit den bekannten Takten.
Wenn Du es schaffst, das 15-Minuten-Workout jeden Tag zu wiederholen, wirst Du schnell merken, dass auch diese kurzen Übeeinheiten auf Dauer einen Unterschied machen. Und vielleicht wirst Du nächstes Mal so motiviert sein, dass Du diese zweite Phase ein wenig verlängerst, um eine schwierige Stelle zu meistern.
3. Durchspielen/Improvisieren (3 Minuten)
Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, in Übeeinheiten die Musikalität und Kreativität nicht zu kurz kommen zu lassen. Bei konzentriertem Üben wird ein Musikstück häufig in seine spieltechnischen Bestandteile zerlegt, die eigentliche Musik gerät dann in den Hintergrund. Um dem entgegenzuwirken, möchte ich, dass Du dir am Ende des 15-Minuten-Klavierworkouts Zeit nimmst, um deiner Musikalität und Kreativität Raum zu geben.
- Spiele einen längeren Abschnitt deines aktuellen Stückes durch. Experimentiere mit der Interpretation, z.B. in Bezug auf die dynamische Gestaltung und erfreue Dich an dem, was Du bereits kannst.
- Spiele frei und improvisiere etwas auf dem Klavier. Spiele z.B. deinen aktuellen Lieblingssong auf dem Klavier nach oder experimentiere ein wenig auf den Klaviertasten. Sei kreativ und genieße den wunderbaren Klang des Klaviers.
Wie oben bereits angedeutet, kannst Du hier auch die technischen Übungen aus dem PDF als Ausgangspunkt für eine kurze Improvisation nutzen. Für mehr Anregungen zum Thema Improvisation empfehle ich Dir meinen Artikel zu diesem Thema.
In 15 Minuten zum Profi werden?
Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, dass das 15-Minuten-Klavierworkout Dich nicht innerhalb eines Jahres zum Profipianisten oder zu einer Profipianistin machen wird. Das Workout ist konzipiert für Menschen, die in ihrem Alltag nur wenig Zeit haben und denen es schwerfällt, das Klavierüben als Gewohnheit zu etablieren. Es kann Dir in anstrengenden Zeiten helfen, ‚am Ball zu bleiben‘ und weiterhin beständig kleine Fortschritte zu machen.
Wenn Du auf ein gewisses Ziel hinarbeitest, dann ist es sinnvoll, die Übezeit zu erhöhen. Du hast doch ein wenig mehr Zeit? Dann schaue Dir gerne meinen Artikel über eine 30-Minuten-Überoutine an.



