Akkorde auf dem Klavier: Die Grundlagen

Akkorde auf dem Klavier spielen zu können, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, um zu Improvisieren, Klavierstücke besser zu verstehen und deine eigene Musik zu schreiben. In diesem Artikel erkläre ich Dir, was ein Akkord ist, wie Du Akkorde bestimmen kannst und wie Du jeden Akkord auf dem Klavier finden kannst. Außerdem erkläre ich Dir die einfache Theorie hinter Akkorden und ihren Umkehrungen und helfe Dir somit, als Anfänger dein Klavierspiel auf ein neues Niveau zu heben.

Was ist ein Akkord?

Zunächst ist die Frage entscheidend, was wir überhaupt unter einem Akkord verstehen. Eine erste allgemeine Definition könnte folgendermaßen lauten:

Ein Akkord ist ein Zusammenklang aus drei oder mehr Tönen, welche sich harmonisch deuten lassen.

Diese Definition grenzt Akkorde zum Beispiel von Clustern ab, bei denen zwar auch viele unterschiedliche Töne zusammenklingen, diese aber keine eindeutige harmonische Funktion erkennen lassen.

In der westeuropäisch geprägten Musik werden Akkorde aus Terzschichtungen gebildet. Man stapelt also eine gewisse Anzahl großer oder kleiner Terzen übereinander und erhält Akkorde unterschiedlicher Klangqualität. Die so entstandenen Akkorde lassen sich nach unterschiedlichen Gesichtspunkten kategorisieren:

  • Wie viele Töne erklingen? Die einfachste Akkordform besteht aus drei Tönen, man nennt diese auch Dreiklänge. Erklingen mehr als drei Töne, wird der Akkord immer komplexer und klanglich spannungsreicher.
  • Welche Terzen (groß oder klein) werden übereinandergeschichtet? Bereits beim Dreiklang entstehen vier Möglichkeiten, große und kleine Terzen zu schichten, dementsprechend gibt es unter den Dreiklängen 4 Akkordtypen (oder altertümlich „Geschlechter“).
  • Welcher Ton des Akkords liegt in der tiefsten Stimme? Die Bassstimme ist das klangliche Fundament eines Akkords. Legt man unterschiedliche Akkordtöne in die tiefste Stimme, verändert sich die Klangqualität deutlich.

In diesem Artikel möchte ich mich zunächst auf die Akkorde beschränken, die aus drei Tönen bestehen (Dreiklänge).

Warum sollte man Akkorde kennen?

Die Kenntnis von Akkorden kann dein Können auf dem Klavier und deine Musikalität auf ein neues Level heben. Hier sind ein paar Dinge, bei denen Dir Akkorde entscheidend weiterhelfen:

  • Besseres Verständnis von Klavierstücken: Akkorde zu bestimmen, ist ein wichtiges Werkzeug, um Klavierstücke besser zu verstehen und zu einer eigenen Interpretation des Werks zu kommen.
  • Vom-Blatt-Spiel: Akkorde helfen Dir, in dem Sie eine unüberschaubare Anzahl an Einzelnoten zu größeren Paketen bündeln. So erkennst Du auf einen Blick, aus welchen Akkorden ein Stück besteht und wo diese Akkorde wiederkehren.
  • Improvisation:  Der große Vorteil des Klaviers ist, dass wir mehrere Noten gleichzeitig spielen können. Wenn Du über das Improvisieren von Melodien hinaus auch Harmoniefolgen oder ganze Stücke improvisieren möchtest, hilft Dir das Verständnis von Akkorden dabei, die richtigen Noten gleichzeitig zu spielen.
  • Komposition: Mit Hilfe von Akkorden kannst Du nicht nur leichter Improvisieren, sondern auch Stücke komponieren. Das Schöne ist dabei, dass Akkorde in fast jedem Genre eine wichtige Rolle spielen, ganz egal, ob Jazz, Klassik, Rock oder Pop.
  • Musizieren mit anderen gemeinsam: Ganz egal, ob Du eine Sängerin begleiten möchtest oder in einer Band spielst – Akkorde sind eine Art universelle Sprache in der westlich geprägten Musik. Wenn Du dich mit Akkorden auskennst, kannst Du sehr viel spontaner mit anderen Menschen gemeinsam musizieren. So kann Dir jemand eine kurze Akkordfolge zurufen und Du kannst im Moment Musik daraus machen.

Der Aufbau von Akkorden (Dreiklängen)

Dreiklänge bestehen aus drei Tönen, die im Abstand einer Terz zueinanderstehen. Der unterste Ton dieser Terzschichtung wird auch Grundton genannt, und bildet den ersten Bestandteil des „Akkordnamens“. Im zweiten Teil dieses Namens wird die Art der Terzschichtung genauer beschrieben.

Struktur und Benennung eines Akkords

Da jede der Terzen klein oder groß sein kann, ergeben sich für Dreiklänge 4 unterschiedliche Kombinationen: Die 4 Akkordtypen.

Intervallstruktur der vier Akkordtypen

Die wichtigsten Akkordtypen sind Dur und Moll – verminderte und übermäßige Akkorde kommen weniger häufig vor und spielen in der Pop-Musik kaum keine Rolle.

Wie kommen übermäßige und verminderte Akkord zu ihrem Namen?

Für die Klangqualität von Akkorden ist nicht nur die Kombinationen aus einzelnen Terzen wichtig, sondern auch das Verhältnis jedes Akkordtons zum Grundton. Bei einem Dreiklang gibt es gewissermaßen 3 Positionen zu besetzen:

  1. Der Grundton
  2. Die Terzposition (klein oder groß)
  3. Und die Quintposition (eine kleine/große Terz über der Terzposition).

Man sagt deshalb auch, ein Dreiklang besteht aus Grundton, Terz und Quinte (1-3-5). Bei Dur- und Mollakkorden ist der oberste Akkordton eine reine Quinte über dem Grundton. Dieses Intervall hat einen klaren und stabilen Klangcharakter.

Bildet man Dreiklänge aus zwei kleinen bzw. zwei großen Terzen so ist das Intervall der äußeren beiden Töne nicht mehr die reine Quinte, sondern nun eine verminderte oder übermäßige Quinte. Die Klangqualität dieser Akkorde ist also weniger stabil und spannungsreich. Durch das Rahmenintervall erhalten also die übermäßigen und verminderten Akkorde ihren Namen.

So findest Du jeden Akkord

Mithilfe der Intervallstruktur der Akkordtypen bist Du nun in der Lage, Dir jeden Akkord auf dem Klavier herzuleiten.

  1. Suche Dir einen Ton, der dein Akkordgrundton sein soll.
  2. Suche nun die Terz des Akkords, indem Du eine große Terz (4 Halbtonschritte) oder eine kleine Terz (3 Halbtonschritte) nach oben gehst.
  3. Du wiederholst Schritt zwei von der Terz des Akkords aus (3 bzw. 4 Halbtonschritte nach oben).

So ergibt sich:

Grundton + 4 Halbtonschritte + 3 Halbtonschritte = *Grundton*-Dur

Grundton + 3 Halbtonschritte + 4 Halbtonschritte = *Grundton*-Moll

Grundton + 3 Halbtonschritte + 3 Halbtonschritte = *Grundton*-vermindert

Grundton + 4 Halbtonschritte + 4 Halbtonschritte = *Grundton*-übermäßig

Alle Dur- und Mollakkorde

Falls Du dir die Mühe nicht machen willst, habe ich hier alle Dur- und Mollakkorde aufgelistet. Dort, wo ein Gleichheitszeichen zwischen zwei Akkorden steht, sind die Tasten der Akkorde identisch (z.B. Gis-Dur & As-Dur nutzen dieselben Tasten des Klaviers). Bitte beachte auch, dass einige dieser Akkorde sehr unüblich sind, da sie sehr viele Vorzeichen enthalten.

Alle Dur- und Mollakkorde

Mit diesen Akkorden wirst Du bereits die meisten der Pop-Songs spielen können.

Akkordverbindungen: Welche Akkorde gehören zusammen?

Wie lässt sich erklären, warum gewisse Akkordverbindungen gut klingen und andere eher komisch wirken? Und wie kann ich eigene Akkordverbindungen erfinden, die so gut klingen wie meine Lieblingsstücke?

Tatsächlich gibt es eine Verbindung zwischen Akkorden, die dafür sorgt, dass sie in einer Akkordfolge gut zusammenklingen. Meistens ist dies nämlich der Fall, wenn sie einer Tonart angehören. Doch was bedeutet das genau?

Eine Tonart besteht aus einer bestimmten Gruppe von Tönen. Diese lassen sich am übersichtlichsten in einer Tonleiter anordnen. Im folgenden Beispiel habe ich die C-Dur-Tonleiter gewählt.

Nun kann man auf jedem dieser Töne einen eigenen Akkord bilden. Dazu schichtet man einfach die zwei Terzen übereinander die sowieso in der jeweiligen Tonleiter vorkommen.

Terzschichtung von Akkorden aus Tönen der Tonleiter

Auf diese Weise erhält man 7 Akkorde.

Die Akkorde über einer C-Dur-Tonleiter

Die Akkorde auf der 1., 4. und 5. Stufe haben dieselbe Akkordqualität (Dur), während die Akkorde auf der 2., 3. und 6. Stufe Mollakkorde sind. Der Akkord der siebten Stufe ist in einer Dur-Tonleiter ein verminderter Dreiklang, der kaum Verwendung findet.

Möchte man die Akkorde, die einer Moll-Tonart angehören, herausfinden, so führt man das Prozedere einfach mit einer Molltonleiter durch. Hier gibt es jedoch eine Ausnahme. Der Akkord auf der fünften Stufe, müsste ein Mollakkord sein. Dieser Akkord wird aber häufig in einen Durakkord umgewandelt, weil er so eine deutlich schlüssigere Verbindung mit dem Akkord der ersten Stufe eingeht.

Akkorde über einer c-Moll-Tonleiter

Die Akkorde einer Tonart passen eigentlich immer gut zusammen, Du kannst sogar mal den Zufall entscheiden lassen, und schauen, was dabei herauskommt: Schreibe dazu einfach vier zufällige Zahlen zwischen 1 und 7 (in Dur ohne die 7, in Moll ohne die 2) und spiele die Akkorde auf dem Klavier.

Wie spielt man die Akkorde auf dem Klavier?

Obwohl die gebräuchlichsten Akkorde aus drei unterschiedlichen Tönen bestehen, hat es sich am Klavier durchgesetzt, Akkordtöne zu verdoppeln und somit dieselben Akkorde mehrmals auf dem Klavier anzuschlagen. Auf diese Weise lässt sich nämlich eine viel größere Klangfülle erreichen.

Am häufigsten spielt man Akkorde in einem vierstimmigen Satz, d.h. mit vier gleichzeitig gespielten Tönen. Dazu muss man lediglich einen Akkordton verdoppeln – meistens ist dies der Akkordgrundton, welcher im Bass gespielt wird und somit ein sattes und stabiles Fundament für den jeweiligen Akkord bildet.

Möchte man noch mehr Klangfülle und einen noch stärkeren Bass, kann man den Akkordgrundton ein weiteres Mal anschlagen, indem man im Bass den Akkordgrundton in Oktaven spielt.

Oktavierung von Akkordtönen auf dem Klavier

Akkordumkehrungen

Würde man die Akkorde immer nur in ihrer ursprünglichen Terzschichtung spielen, wären die Gestaltungsmöglichkeiten relativ gering und die Akkorde würden immer gleich klingen.

Für mehr Varianz und unterschiedliche Klangwirkungen, kann man die Anordnung der Akkordtöne verändern. Dies erreicht man durch das Bilden von Akkordumkehrungen.

Das Prinzip der Akkordumkehrung ist einfach: Von der Grundstellung, welche durch ihre Terzschichtung gekennzeichnet ist, legt man den untersten Ton nach oben, indem man ihn um eine Oktave nach oben verschiebt. Nun liegt die Akkordterz ganz Unten und der Akkordgrundton in der Oberstimme. Wiederholt man diesen Prozess ein weiteres Mal, erhält man die zweite Umkehrung des Akkords. Bei dieser liegt der Quintton in der Unterstimme, während in der Oberstimme die Terz liegt.

Das Prinzip der Akkordumkehrung

Lage vs. Umkehrungen

Wenn Du Akkorde auf dem Klavier spielen und sie mithilfe von Akkordumkehrungen variieren möchtest, dann ist es wichtig, die Konzepte Lage und Umkehrung zu unterscheiden.

Du veränderst die Lage eines Akkordes, wenn die Oberstimmen ihre Anordnung verändern, während der Basston konstant den Akkordgrundton spielt. Man gibt die Lage durch die Benennung des Akkordtons in der Oberstimme an: Ist die Terz des Akkords in der Oberstimme, spricht man von der Terzlage, ist die Oktave in der Oberstimme, von der Oktavlage usw.

Das Prinzip der Lage von Akkorden

Die Veränderung der Lage sorgt dafür, dass sich eine natürlichere Verbindung zwischen den Akkorden ergibt. Das liegt daran, dass die Bewegung der einzelnen Stimmen zum nächsten Akkord viel kleiner werden. Zudem sorgt die Varianz der Lage für einen abwechslungsreichen, aber ausgewogenen Klang.

Akkordverbindung mit unterschiedlichen Lagen

 

Häufig werden die Begriff Lage und Umkehrung nicht so genau unterschieden. Der zweite Akkord des zweiten Taktes („Terzlage“) wird dann als 2. Umkehrung bezeichnet. Würde man die rechte Hand gesondert betrachten, würde das auch stimmen, durch den Akkordgrundton im Bass handelt es sich jedoch nach wie vor um einen Grundakkord.

Während die Lage vor allem durch die Oberstimme definiert wird, ist bei der Umkehrung die Unterstimme ausschlaggebend. Je nachdem, ob der Grundton, die Terz oder die Quinte im Bass liegen, spricht man von der Grundstellung, der ersten oder zweiten Umkehrung – und zwar unabhängig davon, wie die Akkordtöne auf die übrigen Stimmen verteilt sind.

Dies lässt sich damit begründen, dass der Bass das Fundament eines Akkords ist. Wechseln die Akkordtöne im Bass, so wird die Klangwirkung des Akkords viel stärker verändert, als wenn man bei gleichbleibendem Bass die Anordnung der Oberstimmen verändert. Die Klangwirkung der ersten und zweiten Umkehrung ist schwebender und offener als diejenige der Grundstellung.

 

Die Nutzung von Akkordumkehrungen sorgt für einen vielseitigeren Klang in einer Akkordverbindung. Zudem kann die Verwendung von Umkehrungen zu einer deutlich homogeneren, sangbareren Bassstimme führen.

Akkordverbindung mit Umkehrungen

Fazit

Wenn Du diesen Artikel aufmerksam gelesen hast und vielleicht schon den einen oder anderen Akkord selbst am Klavier ausprobiert hast, dann hast Du bereits die wichtigsten Grundlagen von Akkorden auf dem Klavier verstanden.

Hier sind nocheinmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Definition: Akkorde sind Zusammenklänge aus mindestens drei unterschiedlichen Tönen. In der westlichen Musik werden Akkorde häufig aus Terzschichtungen hergeleitet.
  • Intervallstruktur: Ein Dreiklang besteht aus zwei übereinandergeschichteten Terzen. Ein Dreiklang hat einen Grundton, eine Terz und eine Quinte. Die größe dieser Intervalle sorgt für unterschiedliche Akkordtypen. Die gebräuchlichsten sind Dur- und Molldreiklänge, seltener erscheinen verminderte und übermäßige Akkorde. Ein Dur-Dreiklang besteht aus einer großen und einer kleinen Terz, ein Moll-Dreiklang aus einer kleinen und einer großen Terz.
  • Zusammengehörigkeit von Akkorden: Akkorde, lassen sich mithilfe des Tonvorrats einer Tonart bilden. Akkorde, die einer Tonart angehören, klingen häufig gut zusammen.
  • Akkordspiel auf dem Klavier: Auch wenn ein Dreiklang aus lediglich drei unterschiedlichen Tönen besteht, wird auf dem Klavier häufig vier- oder mehrstimmig gespielt. Dazu wird ein Akkordton verdoppelt, in den meisten Fällen ist dies der Grundton, welcher im Bass und in einer der Oberstimmen liegt. Für einen noch volleren Klang, kann der Basston nochmals oktaviert werden.
  • Umkehrungen: Man kann Akkorde umkehren, in dem man einzelne oder mehrere Akkordtöne oktaviert. Ausschlaggebend für die Art der Umkehrung, ist der tiefste Ton des Akkords.
  • Lage: Die Lage eines Akkords gibt an, welche Akkordton der höchste ist. Der Basston hat mit der Lage zunächst nichts zu tun. Mithilfe von Umkehrungen und Lagen kann die Stimmführung von Akkord zu Akkord deutlich organischer gestaltet werden und die Farbpalette der Harmonik deutlich erweitert werden.

Henning Wölk

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