- Anschlag/Tastatur:
Eine der wichtigsten Merkmale von E-Pianos ist die Tastatur. Sie sollte sich am Tastenanschlag eines echten Klaviers orientieren, ein möglichst authentisches Spielgefühl vermitteln und nuanciertes Spiel ermöglichen. Das E-Piano sollte über gewichtete Tasten verfügen. Viele E-Pianos im mittleren Preissegment (ab ca. 1300€) imitieren die Mechanik einer Klaviertaste, indem ein Widerstandspunkt integriert wird, der für ein akustisches Klavier charakteristisch ist. Hier sind die Lösungen unterschiedlich überzeugend und man sollte sich mehrere Alternativen anschauen.
- Samplequalität:
Ein E-Piano sollte über einen authentischen Klaviersound verfügen, am besten ist es, wenn ein echter Konzertflügel gesampelt wurde. Die Klangqualität sollte über das gesamte Klangspektrum des Klaviers gleichbleibend gut sein, so z.B. in den Tiefen mit einem satten Bassregister und den in Höhen mit einer Brillanz, die nicht zu schrill ist. Am besten überprüft man die Samplequalität, indem man ein E-Piano über Kopfhörer anspielt, denn eine mangelnde Klangqualität muss nicht an den gesampleten Sounds liegen, sondern kann dem verbauten Lautsprechersystem geschuldet sein (s. Punkt 3).
- Lautsprecherqualität:
Je nachdem, für welchen Anlass man das E-Piano kauft, sollte man auch das verbaute Lautsprechersystem beachten. Soll auf dem E-Piano fast ausschließlich leise oder über Kopfhörer bespielt werden (so zum Beispiel in einer Wohnung), ist das Lautsprechersystem von nachrangiger Bedeutung. Wichtig werden die verbauten Lautsprecher, wenn das E-Piano vor allem über diese Lautsprecher genutzt wird, so z.B. wenn es sich um ein Instrument für einen Probenraum oder zur Begleitung von Chorproben handelt. Hier sollte der Fokus auf die Ausgangsleistung und die Klangqualität der Lautsprecher gelegt werden.
- Polyphonie:
Die Polyphonie gibt an, wie viele Samples das jeweilige E-Piano gleichzeitig abspielen kann. Als ein absolutes Minimum gilt hier die 64-stimmige Polyphonie. Das klingt erst mal nach viel, ist aber in Anbetracht der Komplexität eines authentisches Klavierklanges nicht viel. So müssen mit den zur Verfügung stehenden Stimmenzahl die Pedalfunktion, Samples für Dämpfer oder aber Resonanzphänomene eines echten Flügels simuliert werden. Eine höhere Polyphonie ist also durchaus ratsam.
- Sounds/Funktionen:
Ein großer Vorteil von E-Pianos ist ihre Flexibilität, sie bieten meistens verschiedene Klänge und Einstellungsmöglichkeiten an. Hier muss man sich klar Prioritäten setzen: Soll es ein E-Piano mit vielen Orgel-, Klavier- und Cembalosounds sein oder ist es wichtiger, ein paar hochwertige Sounds zur Verfügung zu haben? Darüber hinaus bieten viele E-Pianos Einstellungsmöglichkeiten für Halleffekte, unterschiedliche Stimmungssysteme oder Klangkombinationen an. Es ist also wichtig zu überprüfen, ob das jeweilige E-Piano über gewünschte Klänge oder Funktionen verfügt.
- Anschlüsse:
Ein E-Piano kann ich unterschiedlichsten Kontexten Verwendung finden. Vor dem Kauf sollte man sich daher klarmachen, wie man sein Instrument technische einbinden möchte. Infrage kommen zum Beispiel die Art und Anzahl der Kopfhörerausgänge oder ein USB-to-Host-Anschluss, um das E-Piano auch für MIDI verwenden zu können.
- Größe und Gewicht:
Je nach Verwendungszweck solltest Du Dich über Größe und Gewicht des Instruments informieren. Während die Ausmaße eines E-Pianos häufig gleich ins Auge fallen, können beim Gewicht Überraschungen lauern. Beabsichtigst Du, das Gerät häufiger zu bewegen und zu transportieren, solltest Du daher in Erfahrung bringen, über welche Maße und welches Gewicht das jeweilige E-Piano verfügt.
- Hersteller und Qualität:
E-Pianos sehen äußerlich meistens recht ähnlich aus. Die schwarz-weißen Tasten sowie ein glänzend schwarzer Korpus lassen fast jedes E-Piano als ein hochwertiges Produkt erscheinen. Doch es lohnt sich, ein wenig Recherche zu betreiben. Sowohl die verbauten Materialien als auch die verbaute Technik müssen nicht dem äußeren Anschein entsprechen. In Rezensionen und Erfahrungsberichten können eventuelle Mängel auch bei Modellen renommierter Marken ersichtlich werden und die Kaufentscheidung beeinflussen. Denn auch bei bekannten Marken wie Yamaha, Kawai oder Roland gibt es hin und wieder Schwächen zu berücksichtigen. Ein weiterer Punkt, der vom Hersteller des Instruments abhängt, ist die Herstellergarantie. Auch hier solltest Du einen Vergleich der verschiedenen Hersteller vornehmen, schließlich ist die Elektronik eines E-Pianos nicht gänzlich gegen Defekte gesichert.
- Preis:
Für den Preis ist es nochmals wichtig, Dir vor dem Kauf über deine Prioritäten im Klaren zu sein. Es kann zum Beispiel sein, dass ein E-Piano seinen höheren Preis durch eine Vielzahl an Sounds rechtfertigen möchte. Wenn Dir nun aber der authentische Tastenanschlag am wichtigsten ist, dann lasse Dich nicht von Features, die dich nur sekundär irritieren, zu einem höheren Preis verleiten. Wenn Du ein schmales Budget hast, stelle für Dich ein Ranking der erforderlichen Eigenschaften auf, denn gerade im niedrigeren Preissegment werden Dir die Instrumente nicht alles bieten können, das ‚nice-to-have‘ wäre.
- Probespielen:
Das wahrscheinlich wichtigste beim Kauf eines E-Pianos ist es, das Instrument selbst probezuspielen. Letztlich entscheidest Du, welches Instrument Dir am besten gefällt und dein subjektives Empfinden ist die wichtigste Instanz, wenn es z. B. um die Authentizität des Tastenanschlags oder die Qualität der Samples geht. Vielleicht ist für Dich auch eine Sache wichtig, die auf keinem Datenblatt erfasst und von keiner Rezension berücksichtigt wurde. Auch verhältnismäßig kleine Dinge können eine große Rolle spielen, denn schließlich soll es dein Instrument werden und Du solltest Dich beim Spielen wohlfühlen.